Die kranke Psychiatrie      von Frank Sacco         hausärztlicher Internist

 

 

Im Sommer 2009 schickte ich der DGPPN, der Dachgesellschaft der sprechenden Mediziner, meine Arbeit über die „Psychoanalyse der Evangelischen und Katholischen Religion und der heutigen Psychiatrie“. Ich listete jene Dinge in unserer Religion auf, die eindeutig fundamentalistisch sind und damit automatisiert krank machen. Dr. C. Goesmann sprach am 17. 11. 2009 als Vizepräsidentin der BÄK gar von „Grausamkeiten“ der Kirchen. Daher sei sie ausgetreten. Das durfte allerdings nicht in  das Protokoll! Es hätte ja auch nicht gepasst. Denn mich wollte die Kammer wegen meiner Kirchen- und Psychiatriekritik abstrafen. Ich hatte ermittelt: Die Ergebnisse dieser Grausamkeiten, also Patienten mit einem Sacco-Syndrom, behandelt die etablierte Psychiatrie nicht selbst. Sie schickt sie zu den „Verursachern“ der resultierenden Erkrankungen, zum Klerus.  Das gibt man offen zu. Man sieht diese Routine allerdings nicht als das an, was es ist: Einen Kunstfehler. Die schwache Ausrede: Das „transzendentale Denken“ fehle, so Prof. Leuzinger – Bohleber, die Nachfolgerin Sigmund Freuds am gleichnamigen Institut in Frankfurt. Die Verhältnisse sollen nach der Analytikerin auch so bleiben. Dass der Klerus bei den Überwiesenen die Fehldiagnose „vom Teufel besessen“ stellt, sagt ihr Pfarrer zu Elzt im Interview (Die Zeit, 31.3.2010). Ich zeigte die Professorin wegen unterlassener therapeutischer Hilfeleistung an. Der Staatsanwalt nahm sie über Rechtsbeugung in Schutz: Irgendwo sei den Patienten ja wohl dann „doch geholfen“ worden. Woher nimmt er seine Kenntnis?

 

 

Religionsbedingte Erkrankungen sind quasi Notfälle in der Psychiatrie. Denn dahinter steht immer die größte Angst des Menschen, die Angst vor der Erfindung eines sog. „Jenseits“. Dort soll es ewige Qualen geben. Bischof Nikolaus Schneider spricht offen von Feuerfolter. Wir Hausärzte schicken Notfälle bzw. Traumafolgen jedenfalls nicht zu den Verursachern zurück. Eigene, allerdings tief verdrängte religiöse Ängste beim Therapeuten sind es, die ein fachgerechtes therapeutisches Handeln im eigenen Fachgebiet verhindern. Was soll sonst der Grund sein? Ich  erklärte das der DGPPN damals so:

 

„Heute sprach ich als erster Arzt überhaupt mit einer Patientin mit jahrzehntelanger „Psychiatrieerfahrung“ über Schäden durch Kirche. Ihren Schaden durch die Kirche. In der Zeitschrift „Psychologie heute“ werden im Leitartikel Depression (August 06) die Begriffe Gott, Hölle, Schuld, Sünde nicht mehr genannt. Auch nicht von einer Analytikerin. In meinem Sprechzimmer mache ich dann die Arbeit der Psychiatrie. Ich arbeite  dort die Kunstfehler  der „modernen“ Psychiatrie auf.  Es kristallisiert sich nun Folgendes heraus: Die moderne Psychiatrie leidet an einer Höllenphobie. Prof. D. Otto Haendler, Berlin, Pastor, sagt 1954 in anderem Zusammenhang dazu, es seien unerkannte und unbewusste Verschiebungen des Gott – Vaterbildes, die ihre heimliche und gefährliche Rolle spielen, „sie sind also unter der Decke vorhanden, während im Bewusstsein sehr wohl ein ausgeglichenes Bild von Gott da sein kann“. Eine offizielle, eine Pseudoprojektion verdeckt hier also die eigentliche. Das kostet unsere  Psychiatrie viel, viel Kraft. Haendler sagt als Theologe zu der Kraft der eigentlichen Projektionen: „Sie zwingt ihn (den Kranken), sie hat ihn in den Krallen, und sie ist so viel stärker als er, der Geplagte, wie das Fieber des Kranken stärker ist als sein Wunsch und Wille, vom Bett aufzustehen und gesund zu sein.“

 

 

Haendler sieht zwei Arten der Gottprojektionen: die Despotenprojektion und die Patriarchenprojektion. „Der bei weitem überwiegende Bereich ist der erste“, so Haendler. Ich meine, in Wirklichkeit sind Gott und der Teufel für die Psychiatrie „zwei fast gleich unangenehme Wesen“ (Haendler). Dieser, meiner Analyse stellen Analytiker naturgemäß den größten aller denkbaren Widerstände entgegen. Denn ich konfrontiere sie mit ihrer Angst, welche  die größte denkbare ist, dem Supergau für jeden Menschen, wenn diese Angst Realität werden würde: die ewige Folter in einer Feuerhölle. Die Korrektur der Despotenprojektion der Psychiatrie wird Zeit brauchen. Und  einen  starken  Analytiker, der stärker ist als der Despot.“

 

 

Damit meinte ich mich. Weiterhin führte ich die ausgesprochene Häufigkeit des Sacco-Syndroms an: 

 

„Die 260 klinischen Fälle, die Freud in seiner „Psychopathologie des Alltagslebens“  anführt, lassen sich  ausnahmslos in die vier  „Sünden“ nach der Bergpredigt ordnen: 57 x Unaufrichtigkeit, 122 x Selbstsucht, 39 x Unreinheit, 42 x Lieblosigkeit (Paul Tournier). Psychiatrische Alltagserkrankungen sind also zu 260 % Schuld (-gefühl) oder besser: in Sünde transzendierte Schuld. Eine Schuld lässt sich bereinigen oder absitzen, eine Sünde wird dagegen vergeben – oder bestraft. Paul Tournier hält - wie die Psychiatrie um 1920 noch  - diese Sünden für krank machend. Zu Recht. Die Schuld ist aber oftmals so unerheblich  oder gar fehlend, wie der Apfel beim Sündenfall eine Schuld ist. Er ist  ein  genialer, allerdings pathogener Einfall der Geistlichkeit: Der kleinste denkbare Ungehorsam löst einen Amoklauf „Gottes“ aus; für unsere Kinder eine Lehrstunde in schlechtestem Sinn. Eine aufkommende Trotzphase lässt das Überich  nicht zu. Analytisch bedeutet der Apfel, dass es eine Riesensünde ist, dem Überich auch nur irgendetwas zu entwenden bzw. anzutun. Das nicht „Nein“ sagen können Erkrankter ist weniger auf elterlichen früheren Tadel zurückzuführen, als auf die krankmachende, bewiesen unwahre Sündenfallgeschichte. Die Kirche qualifiziert hier  Gott als Amokläufer ab, der ja dringend in psychiatrische Therapie müsste, wäre er denn so gewesen.“

 

 

Ich zitierte Nietzsche: „Nietzsche hatte noch nicht verdrängt, wo die Kranken herkommen: „Ein flüchtiger Gang durch ein Irrenhaus klärt zur Genüge darüber auf.“ Heute sind durch Psychopharmaka die Persönlichkeiten der Kranken, besonders der Schizophrenen, geistig – seelisch und sogar körperlich oft so zur Unkenntlichkeit entstellt, dass Ärzte tatsächlich nichts mehr wahrnehmen mögen, weil sie nichts mehr hören. Aus Gräbern kommt halt nichts mehr. Und Nietzsche weiter: „ Der Priester herrscht durch die Erfindung der Sünde.“ Und: „Das Christentum war bisher das größte Unglück der Menschheit.“ Wie aktuell Nietzsche doch ist: Eugen Drewermann spricht von hochgezüchtetem Sündenbewusstsein.“ Drewermann schreibt mir: „Ich denke wie Sie.“ Der Höllenglaube sei ein Fall für die Politik. Es ist bei Geistlichen selten, doch Ex- Bischöfin Käßmann gibt es zu: Schwere Sacco-Syndrome mit „tief existentiellen Ängsten“ löse das heutige Höllendogma bei Kindern aus. Die so erkrankten Kinder würden sich ungeheuer bedroht fühlen. Doch davon „wissen“ nur Kleriker. Die etablierte Psychiatrie stellt sich hier taubstumm.

 

 

Meine Analyse bewirkte nun einen Amoklauf der von mir analysierten Psychiatrie. Kritik will man nicht. Man verträgt sie nicht. Da war wohl auch die Befürchtung, wieder mit Patienten über ihre wirklichen Ängste sprechen zu müssen, statt zu Neuroleptika zu greifen. Die Niedersächsische Ärztekammer lockte mich, nur zu einem „Gespräch“ eingeladen,  am 17. 11. 2009 zu einer ad hoc Begutachtung durch den Psychiater Dr. Mayer-Amberg in ihre Räumlichkeiten. Kollegen würden sich „Sorgen“ machen über mich, so Goesmann einleitend. Es solle jetzt geklärt werden, ob ich krank sei. Juristisch belehrt wurde ich nicht. Auch fand die Untersuchung in Öffentlichkeit statt: Es war der von mir mitgeführte Pastor Christian Berndt anwesend. Meine in meiner dortigen Personalakte befindliche Analyse hielt Mayer-Amberg für den Ausdruck eines Wahnes. Ich müsse „stationär“, polterte er. Auch mein Internetauftritt spreche für eine schwere psychische Erkrankung. Ja es gebe dort sogar „Wiederholungen“! Selbst Bilder würden sich wiederholen. Ja ich hätte behauptet, das Christentum sei fundamentalistisch. Überhaupt schloss er ein Vorkommen eines Sacco-Syndroms „sicher“ aus, wo Goesmann ja in selbiger Sitzung das genaue Gegenteil feststellte. Denn jede Grausamkeit, an Kindern begangen, macht krank. Ja ich hätte den Vergleich Bibelgottes Sintflut mit Hitlers Holocaust angeführt, den „Hitlervergleich“. Doch wir Internisten leben nun einmal von Vergleichen. So vergleichen wir bspw. Sars und die Grippe. Auch stammt der vom Psychiater monierte Hitlervergleich von einem Juden: dem Nobelpreisträger Isaak B. Singer. Ja sogar der Verleger und Kirchenautor H.W. Deppe schreibt, in Jesu Hölle sei es härter als es unter Hitler war.  Und für unsere Kinder, die vor ihrem „Gott“ erschaudern, da dieser alle Kinder und Landtiere mittels Regenwasser ertränkte, ist der Vergleich sowieso hinfällig. Die Vizepräsidentin vereinbarte dann ausdrücklich „Schweigepflicht“ für den Abend. Das leugnete die Kammer anschließend. Ja man informierte illegal die Approbationsbehörde NiZzA. Die nötigte mir entgegen meinem schriftlich erklärten Willen eine Untersuchung im Psychiatrischen Krankenhaus Lüneburg sowie eine Neuroleptika-therapie auf. Man weiß halt aus der Tradition, wie man Kritiker entsorgt. Ich möchte da jetzt nicht genauer werden.

 

 

Nun verlangt die Behörde NiZzA seit dem Sommer 2019 die Herausgabe meiner Approbationsurkunde. Doch die gebe ich nicht her. Eher gehe ich in ein Gefängnis. Da hoffe ich dann natürlich auf abwechslungsreiche Besuche meiner Anhänger. Das sind vor allem psychiatrieerfahrene Geschädigte, speziell, wenn sie als wirkliche Opfer bereits Zusammenhänge ihrer Erkrankung mit dem Fundamentalismus im Christentum erkannt haben. Und Atheisten. Bin ich Atheist? Ich weiß es nicht. Das entscheidet letztlich das Unbewusste eines Menschen. Darauf haben wir keinen unbedingten Zugriff. Doch die Frage ist im Grunde unwichtig. Wichtig sind die Patienten. Heilig ist allein die Liebe zum Menschen, so Prof. Hasenhüttl. Auch er denkt wie ich.

 

Seite teilen:


   Erschienen bei BoD,

   ca. 404 Seiten   €12.99

     Erschienen bei BoD

      € 7.99

Im Buchhandel und als

E-Book erschienen

Ladenpreis 10,99€

 

 

 

   Erschienen im Buchhandel (bei BoD) und als E-Book

Ladenpreis 8,99 €

Erschienen in englischer Sprache bei BoD, 5,99 €

 

 

Die "Straßenmission glaubensfroher Christen" macht unsere Kinder unfroh und krank: 

„Der Sünder, der nach seinem Tod im unauslöschlichen Flammenmeer der Hölle ewige Pein leidet, erntet genau das, was er gesät hat.“

Ein Sacco-Suizid. Häufig, aber unnötig wie ein Kropf.

 

In der Vorhölle, Akryl, 2002
In der Vorhölle, Akryl, 2002
Kirchliche Lieblingsbeschäftigung
Kirchliche Lieblingsbeschäftigung
Akryl auf Papier, 2003
Akryl auf Papier, 2003

F. Sacco: "Kreuzesfolter muss nicht sein", Street Art  Bremen / Ein Gott kann auch ohne Kreuz vergeben. 

F. Sacco  Street Art, Bremen

"Kirche und Kind"

Ungleiche Machtverhältnisse

F. Sacco  Installation

F. Sacco "Junge Autistin"

Street art, Bremen

"Therapie" bei der Angsterkrankung Autismus

F. Sacco: Fegefeuer

Doch was sagte er wirklich?

"Jesus" bei der Arbeit am Kochtopf (oben rechts),

im Paderborner Dom

Frank Sacco, "Hell", Akryl 2014

 

 

 

 

 

 

 

 Kinder-Albtraum Hölle

Frank Sacco, "Schuld", Akryl 2015

Kindergottesdienst (vorher- nachher)

"Mittäterin an Jesu Kreuzigung." Afrikanerin, 

         durch Mission                         missbraucht.

         Missionsversuch

sosorryrexarcfull

    Massenmord Sintflut

    Der Täter tröstet Rex

 

 

  Lieblingsbeschäftigung

 

übermüdeter Internist?

"Therapie", Sacco 2013

gewaltsame  Rache "Gottes" in Sodom

Ostseestrand, Sacco 2015