Jean-Jacques Rousseau, eine Analyse


Der Genfer Jean-Jacques Rousseau lebte vom 28. Juni 1712 bis zum 2. Juli 1778. Er war ein französischsprachiger Schriftsteller, Philosoph, Naturforscher und Komponist der Zeit der „Aufklärung“. Er hatte großen Einfluss auf die Pädagogik und die Politik des späten 18. sowie des 19. und 20. Jahrhunderts. Er war ein Pionier der Französischen Revolution.

 

Seine Mutter war die Tochter eines Pfarrers. Er kam also recht früh mit den noch heute geltenden Dogmen Himmel und einer ewigen Hölle in Kontakt. 1720 wurde er aus dem Elternhaus weggeschickt. Gelandet ist er in Bossey bei einem Pastor: Lambercier. Die Erziehung dort war christlich und streng. Von 4 Kindern, die bei einem Pastor aufwachsen, werden drei psychisch krank. Hat ein Pastor 16 Kinder, sind also nur 4 gesund. Ich nenne dies die „Pastorenquote“. Rousseau wird beim Onanieren erwischt worden sein. Und auch beim ersten Doktorspiel. Er habe sich später den normalen Geschlechtsakt als etwas Widerwärtiges und Unerhörtes vorgestellt, so nachzulesen bei P. J. Möbius. Die sehr keusche Erziehung, so Möbius, habe, so Rousseau, zu sexuellen Neigungen geführt wie Exhibitionismus und dem Aufkommen sexueller Gefühle bei zugefügten Schlägen. Die hübsche dreißigjährige Schwester des Pastors hatte ihn auf den blanken Popo geschlagen. Dieser Sex wird im Gegensatz zum heterosexuellen Verkehr vom Kind zunächst als sündenfrei empfunden und dementsprechend in vollen Zügen genossen. Später kann dann sexuelle Erregung nur aufkommen, wenn man gleichzeitig gestraft wird oder selber straft. Bei R. resultierte eine lebenslange Prägung, eine Neigung zur Unterwerfung und „Versklavung“ unter das „schwache“ Geschlecht, das ich für das starke halte. Wir Männer können Kinder zeugen, könnten aber nie eine Geburt (dann schon eher einen Krieg) durchstehen. Möbius indes sieht nicht den psychischen lebensgeschichtlichen Zusammenhang. Solcherart Sex, so der Nervenarzt, sei ein sicherer Ausdruck einer Erbkrankheit. Weit gefehlt. Auch der „Führer“  soll ernste sexuelle Probleme gehabt haben, so nachzulesen unter Google: „Hitlers erster Mord“.

 

Dann wurde R. ein ausgesprochener Kritiker des Christentums. Rousseau: „Das Christentum predigt nur Knechtschaft und Unterwerfung. Sein Geist ist der Tyrannei nur zu günstig, als dass sie nicht immer Gewinn daraus geschlagen hätte. Die wahren Christen sind zu Sklaven geschaffen“. Das war ebenso gut wie wahr gesprochen und die Dinge verhalten sich ja noch heute so. Beide, die EKD und die Deutsche Bischofskonferenz predigen das „baldige“ Herannahen eines in Apokalypse und Hölle folternden Jesus. Doch bald heißt es schon seit dem Jahr 32. Dieses „bald“  ist längst vorbei. Kein Wunder: Man kündigt ja auch besagte Folterungen durch einen definitiv Verstorbenen an. Wie aber soll  ein Toter foltern? Ist die Auferstehung gar ein Trick, jemanden zum Ängstigen zu haben? Was wollte man auch mit einem toten Gott anfangen?

 

 

Prompt ging um Rousseau das Kesseltreiben los. Ein Flugblatt wurde anonym verteilt: „Ansichten eines Bürgers“. Darin heißt es: „Durch seine letzte Schrift hat er jede Duldung unmöglich gemacht… Der Wahnsinn kann nicht mehr zur Entschuldigung dienen, wenn er Verbrechen begehen lässt. Er mag jetzt immerhin sagen, erkennt meine Gehirnkrankheit an meinen Inkonsequenzen und Widersprüchen, er hat doch Jesus Christus, die Geistlichkeit und alle Behörden auf das Schmählichste beleidigt…“. Der Anonymus spricht von „Gotteslästerung“. In seinen „Briefen vom Gebirge“ hatte Rousseau  das Christentum scharf angegriffen.

 

Man steinigte ihn sozusagen. Erst gab es Spott, Hohn, Schimpfworte, Intrigen und Drohungen, dann warf man kleine, dann große Steine nach ihm und auf sein Haus. Es resultierte Lebensgefahr und eine Ängstlichkeit und Vorsicht, ein Verhalten, das Möbius als Verfolgungswahn deutet. Es wird uns allen aber nach Lage der Dinge verständlich, dass es sich auch (oder wahrscheinlich) um Verfolgungsangst gehandelt haben kann. Gottangst ist ja auch kein Wahn, sondern ein kalkuliertes Endprodukt klerikaler Hochintelligenz. Als gläubig Erzogener kannte R. nicht die Kraft, die von einer frühkindlichen religiösen Prägung noch im Erwachsenalter ausgeht. Oft geht er später in die Kirche Notre-Dame. Am 24. 2. 1776 findet er dort eine sonst offene Türe verschlossen und bemerkt ein Gitter, wo vormals keines war. Beides sieht er als göttliche Strafankündigung an, als verschlossenen Himmel und damit als Tor zur Hölle. Er wird verwirrt, desorientiert, manisch erregt und damit „psychotisch“. Seine Angst, die er schon seit dem Jahr 1765 spürt,  wird übermächtig.

 

Ein weiterer Aufklärer also, der nach Nietzsche, Hölderlin, van Gogh und anderen ekklesiogen psychotisch wird. Diese Psychose ist aber keine Gehirnkrankheit. Sie ist eine erlebnisbedingte (neurotische) Erkrankung der Psyche bzw. des Geistes – und damit eine „Geisteskrankheit“, die durch eine Psychotherapie heilbar ist. Wir müssen demnach unterscheiden zwischen einer Gehirn- und einer Geisteskrankheit. Erstere hat eine morphologische oder genetische Ursache, die zweite ist psychisch bedingt. Natürlich werden empfindliche Menschen, wenn man ihnen als Kinder ewige Folter androhte, an ihrem Geist, an ihrer Seele und Psyche krank. Unsere Psychiatrie negiert das ebenso wie die Deutsche Bischofskonferenz. Von der Geistlichkeit ausgehende Folterankündigung könne nicht krank machen. Wenigstens sei das noch nirgendwo „valide belegt“. Man kreiert hier im Verbund die erste völlig harmlose, aber ernst gemeinte Androhung von Folter – ewiger Folter.

 

Wer jetzt nicht lacht, der sollte weinen.