C.G.Jung

 

Erst im Jahr 2011 bekam ich einen Zugang zu Jung. Ich hatte ihn kaum gelesen und nie richtig verstanden. Seine Ausführungen über die „Archetypen“ waren für mich ebenso schwer verständlich wie Freuds Ansichten über die Sexualität. Die Archetypen sind bei Geburt leere Gefäße, in die Erkenntnisse und Glaubensinhalte verlagert sind. Sie sind unbewusst, wenn sie Inhalte haben, die bei Vorhandensein im  Bewusstsein stören würden. Unsere beiden Großkirchen sind für das Füllen einiger dieser Gefäße verantwortlich: Archetyp Gottangst, Archetyp Verbot Gottkritik. Dr. med. Carl Gustav Jung lebte von 1875 bis 1961. Er erlebte somit Freud, zwei Weltkriege und die „moderne Psychiatrie“. Jung ist einer der Väter der Lehre über das Unbewusste.

 

Er wies die üblichen Schädigungsmerkmale auf: Sein Vater und zwei dessen Brüder waren Pfarrer. In der Familie der Mutter waren gleich sechs Pfarrer. Er musste als Kind jahrelang ein und dasselbe Nachtgebet sprechen, in dem das Kind Jesus bitten musste: „Will Satan es verschlingen, so lass die Englein singen“. Daraus entwickelte sich sein Seelenschaden. „Ich fing an, dem ...Jesus zu misstrauen“. Beim Anblick eines Jesuiten bekam Jung einen „Höllenschrecken“. Jahrelang konnte er „keine katholische Kirche mehr betreten“. Jung: „Ich hatte erfahren, dass ich Gott ausgeliefert bin, und dass es auf nichts anderes ankommt, als Seinen Willen zu erfüllen.“ In Jung erwachte die Ahnung, „dass Gott etwas Furchtbares sein könnte. Es war ein furchtbares Geheimnis, dass ich erlebt hatte und es bedeutete für mich eine angstvolle und dunkle Angelegenheit. Sie überschattete mein Leben....“ Er empfand Minderwertigkeit: „Ich bin ein Teufel oder ein Schwein, dachte ich, irgendetwas Verworfenes.“ Auch Jung war ja offiziell Schuld am Jesusmord, an der Kreuzigung Jesu gegeben worden. „Die Kirche wurde mir allmählich zur Qual, denn dort wurde laut – ich möchte fast sagen: schamlos – von Gott gepredigt, was Er beabsichtigt, was Er tut.“

 

Jung wusste, dass „Gnade nur dem zuteil wird, der den Willen Gottes unbedingt erfüllt.“ Die Sünde bestraft er „sogar mit ewiger Verdammnis in der Feuerhölle“, so Jung. Jetzt wissen Sie, wie es in seiner Kinderseele aussah. Sein erstes Abendmahl war für ihn ein furchtbares Ereignis. Das war für Jung „keine Religion“. Kirche war für ihn danach „kein Leben, sondern Tod.“. „Gott ist nicht menschlich, dachte ich“. Schopenhauer war natürlich für Jung auch ein großer Trost, denn Jung war depressiv geworden. Als Jungs Vater starb, sagte ihm die Mutter: Vater „ist ... für Dich gestorben.“ Das traf Jung „furchtbar“, ebenso furchtbar, wie wenn man Kindern sagt, Jesus sei für sie gestorben. Diese Geschichte, Jungs Geschichte, ist ein Paradebeispiel, wie man Kinder klein, angsterfüllt und sterbenskrank manchen kann.

Jung ist der Beschreiber der sog. Archetypen. Sie sollen vererbte „Gefäße“ der Psyche sein, die individuell mit erlebnisbedingten Bildern und Erfahrungen gefüllt werden. Er nennt z.B. den Archetyp der „religiösen Vorstellung“. Später drückt sich Jung vorsichtiger aus: Archetypen seien nur „Möglichkeiten von Vorstellungen“, in diesem Fall also die Möglichkeit, sich Gott oder eine Hölle vorzustellen. Archetypus seien leere formale Elemente zunächst ohne Inhalte.

Der Archetyp der religiösen Vorstellungen (Archetyp Gott der Hölle, Archetyp Verbot Gottkritik) sei untrügerisch bei jedem Menschen vorhanden. Kirchliche Dogmen füllten dieses „Gefäß“ im Verlauf des Lebens „durch Andacht, Auto- und Heterosuggestion“. „Höchst suggestiv“ seien religiöse Bilder für unsere Kleinen. Auch Jung wusste schon, Gottesdienst ist Hypnose. Schutzlos sei gerade der protestantische Mensch in seiner Religion.

Jung beschreibt als Beispiel eine fremdländische Religion, in der nachts ein Angstgott namens Ayik herrscht. In dieser Gegend gab es nur nachts Riesenschlangen „überall an den Wegen“. Man blieb im Dunklen aus „religiösen Gründen“ daheim. Hier können aber auch vor- und nachgeburtliche Kindserfahrungen Vererbung nur vortäuschen. Ich glaube nicht an Genfixierung von Höllenängsten, von Aberglauben. Nur die Möglichkeit zur Angstempfindung sehe ich als vererbt an. Das ist aber ein Gefäß, das unsere Kirchen nur allzu gerne im Übermaß füllen.

 

Jung bleibt, was Kirche betrifft, brav. Zu groß war seine Angst vor dem „verschlingenden“ Satan, über den er als Kind jeden Abend hatte beten müssen. Er fiel nicht wie Freud, der Jahwe „ermordet“ hatte, in Ohnmachten. Religionsthemen seien „Nebensache“ und würden ihn angeblich „tödlich“ langweilen (also doch immerhin tödlich). Die Kirche sieht er als „ehrwürdige“ Institution, ihre Riten und Symbole als hilfreich, seinen „neutestamentlichen“ Gott als nur gut und als „liebenden Vater“. Dessen böser Widerpart sei der Teufel. Er übersieht, dass dieser „gute“ Bibelgott am Tage des „Jüngsten Gerichtes“ die Hälfte der Menschheit dem Teufel zwecks endgültiger Folter überliefern will. Gottkritik lässt Jungs Unbewusstes nicht zu. Dieses Übersehen war Verdrängung, denn Jung kannte sich in Kirchenliedern bestens aus. Er war für Freud der falsche Arzt, hatte er doch die gleiche Neurose. Was für Freud die Ohnmacht war, war für Jung die Beschäftigung mit der Alchemie, in der er sich sicher fühlte, so sicher wie Jacob Böhme, dem auch diese Wissenschaft „zu Hilfe“ kam, wie Jung im Buch „Archetypen“, dtv, schreibt. Auch hilft Jung ein „Wissen“, was nach dem Tode kommt: „...unerwarteter Weise eine grenzenlose Weite voll unerhörter Unbestimmtheit,... kein Gutes und kein Böses“, also keine Folter. Auch hilft ihm die Beschäftigung mit Hunderten von Religionen, von denen ja maximal nur eine richtig, d.h. der Wahrheit entsprechen kann. Dass unsere orthodox christliche Glaubensart gerade diese richtige ist, ist nicht zu erwarten, gibt es doch 8 Millionen Götter. Gott wohne „einzig in der Seele des Menschen“, so Jung. Schön und schlicht hat er das gesagt. Besser kann man das gar nicht  ausdrücken. Und doch ereilte Jung das Sacco-Syndrom. In seiner Kirchenkritik, der Kritik am eigenen Kindheitsgott, war er weit gegangen. Monatelang war er schwer krank mit Träumen, Visionen und Halluzinationen. Im Vordergrund standen wohl religiöse Ängste. Harry Mulisch beschreibt in „Das sexuelle Bollwerk“ diese Ängste und „apokalyptische Visionen“ Jungs. Jung dazu: Nur aufgrund seiner ausgesprochenen  psychischen Stärke habe er das alles überstanden. Vielleicht war es eine Übertragung aus seiner Analyse Freuds.

 

 

Jungs längst in Vergessenheit geratener Verdienst ist es, die Genese der Schizophrenie eben nicht als genetisch bedingt abzutun, sondern als schlichte Neurose, also als einen entwicklungsbedingten Prozess einer Angstkrankheit. Jung schrieb darüber seine Doktorarbeit (Über die Psychogenese der Geisteskrankheiten, Rascher Verlag, zu beziehen über Internet) und widerlegt damit alle, die die Gene in den Vordergrund rücken wollen. Genhypothesen werden an eineiigen Zwillingen untersucht, die man sogleich nach der Geburt getrennt hat. An ihnen kann man Umwelteinflüsse feststellen, wenn auch mit Mühe. Es wurde aber dargelegt, dass schon intrauterin ein Kind erheblich seelisch beeinflusst wird. Das macht alle Genhypothesen zu ausgesprochen zweifelhaften Manövern, weil man keine auch nur irgendwie verwertbaren Zugriffsdaten hat. Es gibt kaum Zwillinge, die von verschiedenen Müttern ausgetragen werden. Genhypothesen sind Rückzugsmanöver sprechunfähig gemachter Psychiater, die ihnen erlauben, Neuroleptika statt klärender Gespräche einzusetzen.

 

Schizophrene haben als eigentlich primär neurotische Menschen eine Geschichte, so wusste schon Jung, eine Geschichte, „die nicht erzählt wird, und um die in der Regel niemand weiß. Für mich beginnt die eigentliche Therapie erst nach der Erforschung dieser persönlichen Geschichte. Sie ist das Geheimnis des Patienten, an dem er zerbrochen ist.“ In Jung finde ich die Bestätigung meiner Entstehungstheorie der Schizophrenie und des Autismus. Jung weiß: Diagnosen sind nur von sehr zweifelhaftem Wert und beschreiben nur Symptome. So ist z.B. die Halluzination eine Möglichkeit des Gesunden, z.B. im Schlafentzug. Im Deutschen Ärzteblatt vom März 2011 steht in einem Artikel über Zwangskrankheiten bei Kindern, diese hätten bis zu 100% Zweiterkrankungen, so Depression oder ADHS. Hier wird negiert, dass psychische Diagnosen nur Symptomatiken und zwar meist von Angstneurosen darstellen. Es handelt sich somit um Zweitsymtomatiken. Schöne Beispiele gibt Jung im Buch „Erinnerungen, Träume, Gedanken von C. G. Jung“, Walter, an.

 

Beispiel 1: Eine schizophrene Frau führte ständig rätselhafte Bewegungen durch, wie früher die Schuster beim Nähen. Jung fragte einen Bruder der Erkrankten, warum seine Schwester schizophren geworden sei. Sie hatte einen Schuhmacher geliebt, der sie aber nicht heiratete. Das brachte Gefühle uns jetzt unbekannter aber stärkster Qualität mit sich. Man kann sich hier sogar als „Sünde“ Mordphantasien denken oder tiefste Traurigkeit. Die Bewegungen zeigten die Identität der Frau mit dem Geliebten. Heute, im Jahr 2011, hätte man die Patientin, anstatt sie zu heilen, mit stärksten Neuroleptika behandelt.

 

Beispiel 2: Eine paranoide Frau hörte „Gottes Stimme“ in der Mitte des Thorax (des Brustkorbes). Jung las ihr auf Verlangen lange Zeit alle 14 Tage als Oberarzt der Züricher Uniklinik Burghölzli aus der Bibel vor, meist heimlich, um nicht selbst als verrückt zu gelten. Die Frau war danach weitgehend wiederhergestellt. Sie hatte in Jung einen Therapeuten, der ihr die Bibel menschlich erklärte bzw. umdeutete.

Wie sich die Verhältnisse aber gleichen! Ein Psychiater untersagte mir doch tatsächlich, mich mit meinen Patienten korrigierend über Religion und Kirche zu unterhalten. Das sei „Missionieren“ und unärztlich. Er vergaß dabei, dass Arzt ein freier Beruf ist. Er selbst könne keine Gespräche über Religion führen. Dafür seien zu viele Geistliche in seiner Familie gewesen. Ich sollte also seine Neurose bzw. die der Psychiatrie in meine Praxis übernehmen. Wie dankbar bin ich Jung posthum, dass er sich von seinen neurotischen Kollegen nicht abschrecken lies und sie widerlegte.

 

Beispiel 3: Ein jüdisches Mädchen litt noch nicht unter einer Schizophrenie aber unter einer schweren Angsterkrankung. Die Exploration ergab, dass der Vater sich vom Judentum abgewandt hatte. Jung erklärte ihr: „Ihr Vater ist dem jüdischen Glauben abtrünnig geworden. Er hat das Geheimnis verraten und hat Gott vergessen. Und Sie haben ihre Neurose, weil Sie an der Furcht Gottes leiden!“ Das schlug „in sie ein wie ein Blitz“. Und: „Von Neurose keine Spur mehr“. So minutenschnell geht also gute Psychotherapie bei Schizophrenien, wenn sie gut gemacht ist, wenn Erkenntnis plötzlich in einem Flush durchbricht. Jung war im Prinzip hier ein EA-Therapeut. So schnell spart man folgendes ein: Medikamente, Arbeitsunfähigkeitszeiten, Klinikaufenthalte, Renten, Patienten- und Psychiaterleid. Sparen kann man aber in der Psychiatrie nur, wenn man das Thema Religion nicht wie unsere heutigen Therapeuten aus zwangsneurotischer Ängstlichkeit heraus ausklammern muss. Gottesfurcht den Hirnen ihrer Patienten zu nehmen, das muss die Psychiatrie jetzt lernen. Ich übergebe hiermit die ärztliche Seelsorge aus den Händen einer Gewaltkirche wieder dahin, wohin sie besser aufgehoben ist: In die Hände unserer Psychiatrie und der Hausärzte.

Und doch möchte ich Jung korrigieren. In alter Psychiater-Tradition gibt er dem Vater Schuld. Dieser beging jedoch keinen Verrat am Geheimnis und hatte Jahwe nicht vergessen. Denn Jahwe ist eine üble Erfindung gewissenloser Rabbiner. Ein Gott, der unschuldige und wehrlose Kinder in Sodom und Gomorrha lebendig verbrennt, muss erst noch geboren werden bzw.: Er ist nicht denkbar. Auch ist ein Gott, der den globalen Holocaust Sintflut unternimmt, nicht denkbar. Gewissenlos stellen Rabbiner hier (und heute noch) Jahwe auf eine Stufe mit Hitler. Jung hielt bis zuletzt das Juden-Christentum für „altehrwürdig“, was es nicht ist. Eine "Religion", die heute noch wehrlose Kinder mit einer Angst vor ewiger Feuerfolter fickt, ist „nicht akzeptabel“, wie die Rechtsmedizin Hamburg (UKE) sich für einen solchen Fall ausdrückt. Was ist aber das Geheimnis um Jahwe? Die Einwohner Sodoms zahlten den Rabbinern nicht mehr genug. Und sie lagen lieber im Bett als auf den Knien in der Synagoge. Es werden die Rabbiner (mit Erfolg und heimlich) die Stadt in Schutt und Asche gelegt haben und mögen gerufen haben: „Gott war´s, ihr habt uns zu schlecht bezahlt, ihr habt Jahwe zu schlecht bezahlt.“ Schon waren die Kassen wieder voll. Die einfachsten Taschenspielertricks funktionieren oft am besten. Angst- und Schuldmachen sind bis heute die besten Einnahmequellen für meine Kirche.

 

Beispiel 4: Ein Theologe hatte eine starke Angstsymptomatik. Jung findet heraus, dass Höllenangst hinter allem steht. Die Träume des Patienten hatten ihn zu dieser Erkenntnis gebracht.

Beispiel 5: Hier geht es um Zahnziehen. Aber kurz vorweg: Auch C. G. Jung weiß: „Unter allen meinen Patienten jenseits der Lebensmitte, also jenseits 35, ist nicht ein Einziger, dessen endgültiges Problem nicht das der religiösen Einstellung wäre.“ Und: Es unterliegt heutzutage kaum mehr einem Zweifel, dass die Schizophrenie... wesentlich dieselben Mechanismen besitzt, wie jede andere Psychoneurose. Ihre Betrachtung und Therapie müsse psychoanalytisch sein. Gerhard Wehr dazu im Buch „Carl Gustav Jung“, Diogenes: „Als Arzt nimmt Jung daher die von einem Patienten berührten religiösen Probleme als das eigentliche Problem ihrer Situation ernst.“ Jung würde sich im Grabe umdrehen, wenn er hören würde, dass Psychiater sich heute nicht mehr über Religion mit Patienten unterhalten können bzw. zugegebener Maßen Angst vor diesen Gesprächen haben. Er demonstriert uns zu dem Thema eine schizophrene Patientin, die sich alle Zähne ziehen lies. Es sollte ein Gebiss angefertigt werden. Nach der OP fühlte sie sich „für ewig verdammt und verloren. Sie habe mit der Zahnzieherei eine große Sünde begangen. Man solle für sie beten. In diesem Fall ergab in der Vorgeschichte als Ursache der Erkrankung, ihr „illegitimes“ uneheliches Kind, nach Kirchendoktrin in „Sünde“ empfangen und geboren. Die Mühe werde reichlich belohnt, so Jung, wenn man der „psychologischen Erforschung“ der Schizophrenien „große Aufmerksamkeit“ schenke. Heute „schenken“ Psychiater der Pharmaindustrie ein Rezept. Eine einzige Tablette, Abilify zu 5 mg kostet ca. 10 €. Und sie hilft nicht einmal in jedem Fall! Man muss oft mehrere Tabletten am Tag nehmen. Jung ist wie auch ich entsetzt vom sog. Christentum: Jung: „Ich wünsche nur, dass die Christen heutzutage einmal einsehen, dass das, was sie vertreten, überhaupt kein Christentum ist, sondern eine himmeltraurige Gesetzesreligion...“ Ich weiß: Die Gesetze der Kirche sind großenteils illegal. Eines der Traumen Jungs war, dass er als Kind seinen eigenen Vater „am Problem des Glaubens zerbrechen und... sterben sah“. Nach Jung kommt keine Art von Psychotherapie um die Wichtigkeit von Religion herum. Die heutigen „Jungianer“ sind also keine: Sie haben Religion verdrängt.

 

Die Kirchen haben die Psychiatrie besiegt.

 

Beispiel 6: Jung berichtet in „Psychogenese der Geisteskrankheiten“ über Freud. Der analysierte eine schizophrene Patientin, der man heute als Psychiater wohl schon gleich beim ersten Kontakt ein hartes Neuroleptikum und eine Einweisung verabreichen würde.

Die 30-jährige Frau fühlte sich beobachtet. Ihre Umgebung habe sich verändert. Sie musste in die Anstalt. Sie fühlte sich beim Auskleiden beobachtet. Sie hatte Visionen von Genitalien und halluzinierte. Gefühle in ihrem Unterleib seien durch unanständige Gedanken eines Stubenmädchens verursacht. Die Anamneseerhebung oder auch das freie Assoziieren (beides kommt aufs Gleiche hinaus, das erstere geht nur schneller) ergab, dass sie mit 6 Jahren ein Kinderverhältnis mit ihrem Bruder hatte, „in dem sie Mann und Frau gespielt hatten“, so Freud. Die Kinder hatten sich vor dem Schlafengehen einander regelmäßig nackt gezeigt, ohne sich zu schämen. „Sie holte jetzt das Schämen nach, was sie als Kind versäumt hatte“, so Freud.

Ich sehe es anders. Das Gefühl hier ist nicht Scham sondern Höllenangst. Dass Kinderliebe nicht unschuldig sei, wurde der Patientin irgendwann beigebracht. Meist geschieht dies verbal oder averbal von den Eltern, denen die Kirche lehrte, Onanie bzw. jede Art kindlicher Sexualität sei Todsünde. Sie gilt heute noch als Todsünde. Spätestens geschieht es aber durch eine Kirche, für die schon ungebeichtete kindliche Onanie ein Ticket zur Hölle bedeutet. Das hören die Kinder im Beichtstuhl, dem Machtzentrum der katholischen Kirche. Unter vier Augen. Gebeichtet hatte die Patientin nicht können, denn die Bagatelle der kindlichen Geschwisterliebe hatte sie komplett verdrängt. Unsere auf der einen Seite so intensiv pädophil - aktive, auf der andern Seite so besserwisserisch prüde Drohkirche schreckt solche armen Kinder mit ihrer Erfindung „ewige Hölle“. Diese abscheuliche Kirchendoktrin trieb unsere Frau hier in die Schizophrenie. „Geflügelte Dämonen“, also Teufel halluzinierte die arme Patientin.

 

Mit Inzest muss unsere Gesellschaft in Zukunft vernunftorientierter umgehen, was ihr bei der Homosexualität ja in Ansätzen schon gelingt. Inzest war bei den Pharaonen über Jahrhunderte gar ein religiöses Gebot. Pharaonen wurden neurotisch krank, wenn sie sich anderswo als familiär umschauten. Unsere die Sexualität teilweise unter erhebliche Strafe stellende Religion ist mit die eigentliche Ursache der sexuellen Neurose. Jung schreibt, Inzestphantasien bzw. -erinnerungen würden massiv verdrängt, er vermute aber „hochemotionale Inhalte“ in diesem Zusammenhang, die mit „noch größerem Widerstand“ verdrängt sind. Er sieht sich „in einiger Verlegenheit“, diesen Inhalt zu erkennen. Nun, es ist schlicht die Angst vor einer kirchlich eingeredeten Höllenstrafe für den unternommenen (oder phantasierten) Inzest.

 

Nachlesen über solche überflüssigen Schuldgedanken im Rahmen von Geschwisterliebe kann man bei Theodor Storm im Gedicht „Schlimmes Lieben“. Da heißt es: „Er zieht mich in die Hölle! ... Unselig muss ich werden... beide wir verderben.“ Freud sagt daraufhin zu dieser Schizophrenie und anderen Psychosen, sie seien vielfach „Abwehrneuropsychosen“ und er gibt damit Drewermann, Nietzsche, Jung und mir Recht. Es liegt hier eine kirchenbedingte, eine ekklesiogene Psychose vor und damit eine neurotische Angelegenheit, eine „Neuropsychose“. Über die Kirchen war Freud sehr ungehalten. Religion sei Wahn. Diese Worte warf er ihnen an den Kopf. Und die Kirchenleute wehrten sich fleißig und mit großen Erfolg: Seine Psychoanalyse sei ein Machwerk des Teufels. Da er sie „gemacht“ hatte, setzte die Kirche Freud mit einem Teufel gleich und wünschte ihn damit zur Hölle. Diese Technik beherrscht sie heute noch exzellent. Darum gibt es ja so viele Schizophrene, Autisten, Depressive und Süchtige. Freud starb an seiner ekklesiogenen Nikotinsucht. Es war einen recht grausamer und langsamer Tod. Sein Tod war im Grunde ein Mord.

 

Aufgrund seines eigenen Archetypus war Jung der Mystik und Alchemie sehr aufgeschlossen: Sein Großvater Samuel war Pastor und wähnte sich ständig von Geistern umgeben, besonders, wenn er Predigten schrieb. Jungs Mutter musste sich bei solchen Anlässen hinter ihn setzen, um „diese Geister“ abzuwehren. Das Seelenleben von uns allen ist insgesamt also recht bunt und spannend und seine Innereien werden uns von unsren Eltern transplantiert.

Jung fordert wie auch ich, dass angehende Psychiater in der Lehranalyse ihre Seele genauestens kennen lernen müssen. Wenn dabei die Religion phobisch dort ausgeklammert wird, wie es heute der Fall ist, wird der Arzt „später teuer dafür bezahlen müssen.“, so Jung. Der Psychiater kann dann seinen Patienten nicht helfen und bezahlt dann sogar unter Umständen teuer mit seinem eignen Suizid. „Wenn Sie nicht richtig sind, wie kann dann der Patient richtig werden?“, fragt Jung einen Kollegen. Und er spricht mir damit aus dem Herzen. Er stellt wie auch ich die Kirchengenese psychischer Erkrankung in den Vordergrund. Er weiß, wovon er spricht und er spricht! Die heutige Psychiatrie hat sich hinter einen Berg zurückgezogen, einen Berg von sie schützenden Neuroleptika.

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Die "Straßenmission glaubensfroher Christen" macht unsere Kinder unfroh und krank: 

„Der Sünder, der nach seinem Tod im unauslöschlichen Flammenmeer der Hölle ewige Pein leidet, erntet genau das, was er gesät hat.“

Ein Sacco-Suizid. Häufig, aber unnötig wie ein Kropf.

 

In der Vorhölle, Akryl, 2002
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Kirchliche Lieblingsbeschäftigung
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Akryl auf Papier, 2003
Akryl auf Papier, 2003

F. Sacco: "Kreuzesfolter muss nicht sein", Street Art  Bremen / Ein Gott kann auch ohne Kreuz vergeben. 

F. Sacco  Street Art, Bremen

"Kirche und Kind"

Ungleiche Machtverhältnisse

F. Sacco  Installation

F. Sacco "Junge Autistin"

Street art, Bremen

"Therapie" bei der Angsterkrankung Autismus

F. Sacco: Fegefeuer

Doch was sagte er wirklich?

"Jesus" bei der Arbeit am Kochtopf (oben rechts),

im Paderborner Dom

Frank Sacco, "Hell", Akryl 2014

 

 

 

 

 

 

 

 Kinder-Albtraum Hölle

Frank Sacco, "Schuld", Akryl 2015

Kindergottesdienst (vorher- nachher)

"Mittäterin an Jesu Kreuzigung." Afrikanerin, 

         durch Mission                         missbraucht.

         Missionsversuch

sosorryrexarcfull

    Massenmord Sintflut

    Der Täter tröstet Rex

 

 

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übermüdeter Internist?

"Therapie", Sacco 2013

gewaltsame  Rache "Gottes" in Sodom

Ostseestrand, Sacco 2015