Psychosomatik, Beispiele

 

 

 

Hypertonie

 

Bluthochdruck als sog. essentielle Hypertonie entwickelt sich sehr häufig aus seelischem Dauerstress. Heilpraktikern ist das bekannt. Eine 40-jährige Patientin fiel mir durch allgemeine Hektik und stark schwankende Blutdruckwerte auf.

Die religiöse Anamnese ergab, dass sie als 16-jährige eine vom Elternhaus nicht erlaubte, dabei nicht einmal sexuelle Beziehung zu einem Mann einging. Die Eltern drohten permanent mit dem Fegefeuer und sperrten das Kind bis zum 21 Lebensjahr praktisch ein. Fegefeuer ist fürs Kind richtiges Feuer. Es soll mit dem Begriff Maximalangst erzeugt werden. „Freigang“ bekam sie nur zur Arbeit. Ich erklärte ihr die möglichen Zusammenhänge mit dem Hochdruck in einer EA-Therapie.

 

 

Da Costa-Syndrom

 

Hierunter versteht man als bedrohlich empfundene Schmerzen in der Herzgegend bei herzgesunden, meist jungen Patienten. Sie sind ein Signal, dass die Seele Schmerzen hat, weil sie sich bedroht fühlt. Einer Patientin, Zahnarzthelferin von Beruf, erklärte ich die möglichen Zusammenhänge des Helfersyndroms mit religiösen Ängsten. In die EA-Therapie baute ich Inhalte aus dem Kapitel „Im christlichen Kindergarten“ ein, um ihr zu erklären, dass auch sie in der Jugend Opfer eines seelischen Missbrauches geworden ist. Eine gewisse Neigung zur Perfektion sprach für kirchenbedingte große Ängste, ein Mechanismus, der auch bei Migränekranken zu verzeichnen ist. Erleichtert äußerte sie nach der Stunde, sie sei froh, dass ihr getauftes Kind im DRK-Kindergarten und nicht im kirchlichen untergekommen sei. Perfektionsdrang ist allermeist das Resultat eines überkleinlichen Über-Ichs bzw. Gott-Ichs. Schon in Gottes Apfel zu beißen soll ja Sünde sein.

 

Hautprobleme

 

„Hautsachen sind psychisch“, so hört man oft von Dermatologen. Die Neurodermitis ist oft mit einer gesteigerten Empfindlichkeit und einem gewissen Stummsein verbunden. Der Erkrankte ist, was eigene Probleme anbelangt, oft autistisch stumm. Auch bei der Psoriasis lohnt sich eine EAT.

 

Bettnässen

 

Viele Dinge aus dem psychosomatischen Formenkreis müssen aufhorchen lassen. Ist das Kind, das wieder neu nächtlich einnässt, irgendwo und irgendwann mit einem unverdaulichen religiösen Thema konfrontiert worden? Hat es Alpträume? Weint es in der Nacht? Hat es im christlichen Kindergarten vom Bibelgott gehört, dem Gott ohne jedes Gewissen? Ein kleiner neu bettnässender Patient erklärte mir seine Angst. Im Religionsunterricht hatte er von einem Gott gehört, der die ältesten Söhne jeder Familie tötete. Mein Patient war auch der älteste Sohn. In der Zeitung „Die Welt“ vom 5.2.2011 steht dazu ein Artikel: „Hiob in Amerika“. Hier wird Philip Roths neuer Roman „Nemesis“ diskutiert. Die jüdische Hauptfigur Bucky Cantor hadert, wie es das jüdische Volk seit der Hiobgeschichte tut, mit Gott. Wie kann Gott zwecks Folter Hiob dem Teufel überlassen? Das ist, als würde Gott selbst foltern. Cantor: Wie konnten die Menschen „sich demütig einem höchsten Wesen unterwerfen, das nach Belieben die abscheulichsten Verbrechen verübte? ... Hat Gott ein Gewissen? Wo ist seine Verantwortung?“ Dieses oft schwer krankmachende Hadern mit Gott ist so überflüssig wie ein Kropf. Gott tut keinem Menschen etwas. Er kann Schlimmes halt nicht verhindern. Seine angebliche Allmacht ist Kirchenreklame. Und ob man auch wandele im tiefsten Tal, einem würde nichts mangeln, so die Bibel. Auschwitz war ein sehr tiefes Tal, zu tief für den Gott meiner Kirche. Ich sage immer: Gott hat keine Hände. Wir sind seine Hände.

 

ADHS

 

Die Erkrankung wird zurzeit heiß und kontrovers diskutiert. Kritisiert wird die mangelnde Abgrenzung zur einfachen „kindlichen Unruhe“ und die zu rasche Verordnung von Methylphenidat. Das ist immerhin ein Betäubungsmittel und die Verordnungszahlen erschrecken die Fachleute. In einer Studie von T. Neraal aus 2008 kamen letztlich 92 von 93 der Erkrankten ohne ein Psychopharmakon aus. Die Kinder hatten gelernt, über ihr Befinden und über ihre Ängste zu sprechen. Ganz gezielt muss man die Kinder über ihre Erfahrungen mit Religion explorieren. Nur dann erfährt man etwas. Eine 7-jährige erzählte mir im Beisein der erstaunten Mutter, was sie alles über Hölle gelernt hatte. Wie es dort ist, wie man dort hinkommt. In der Hauptanlaufstelle hiesiger Patienten mit ADHS wird das Thema Religion, so erzählen die Mütter, nicht gezielt besprochen oder gar in Arztbriefen diskutiert. Nichts! Einfach nichts.

 

Migräne


Der an dieser Kopfschmerzart Erkrankte ist in der Regel Perfektionist und sucht sich einen entsprechenden Beruf. Die kleinste Schuld muss er zwanghaft vermeiden und das bereitet Kopfzerbrechen. Unbewusst erinnert er sich an den Sündenfall, wo Bibel-Gott die kleinste denkbare Sünde, nämlich in einen seiner Äpfel zu beißen, mit unbeschreiblicher Härte bestraft. Bibel-Gott ist da sehr kleinlich und völlig ungerecht, da er diese Sünde als Erbsünde auch auf Evas Nachkommen überträgt. Das ist nicht statthaft. Mit einer  ersten Treotzphase seines Kindes sollte man als Gott besser umgehen können und nicht einen Amoklauf hinlegen. 

Therapeutisch gehe ich das Problem mit einem Rollenspiel an. Ich bin dann Gott. Dreimal schimpfe ich  mit der Patientin Eva, die immer wieder einen Apfel geklaut hat. Dann aber sage ich : "Du, Eva, mein Schatz, dir schmecken meine Äpfel so gut, heute schenke ich dir den ganzen Baum." Das ist ein Vater, den man sich auch vorstellen und respektieren  kann, und der den Namen Vater verdient. 

 

 

 

 

 

 

Im Fegefeuer / Akryl auf Leinwand, 2008, Frank Sacco
Im Fegefeuer / Akryl auf Leinwand, 2008, Frank Sacco

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   Erschienen bei BoD,

   ca. 404 Seiten   €12.99

     Erschienen bei BoD

      € 7.99

Im Buchhandel und als

E-Book erschienen

Ladenpreis 10,99€

 

 

 

   Erschienen im Buchhandel (bei BoD) und als E-Book

Ladenpreis 8,99 €

Erschienen in englischer Sprache bei BoD, 5,99 €

 

 

Die "Straßenmission glaubensfroher Christen" macht unsere Kinder unfroh und krank: 

„Der Sünder, der nach seinem Tod im unauslöschlichen Flammenmeer der Hölle ewige Pein leidet, erntet genau das, was er gesät hat.“

Ein Sacco-Suizid. Häufig, aber unnötig wie ein Kropf.

 

In der Vorhölle, Akryl, 2002
In der Vorhölle, Akryl, 2002
Kirchliche Lieblingsbeschäftigung
Kirchliche Lieblingsbeschäftigung
Akryl auf Papier, 2003
Akryl auf Papier, 2003

F. Sacco: "Kreuzesfolter muss nicht sein", Street Art  Bremen / Ein Gott kann auch ohne Kreuz vergeben. 

F. Sacco  Street Art, Bremen

"Kirche und Kind"

Ungleiche Machtverhältnisse

F. Sacco  Installation

F. Sacco "Junge Autistin"

Street art, Bremen

"Therapie" bei der Angsterkrankung Autismus

F. Sacco: Fegefeuer

Doch was sagte er wirklich?

"Jesus" bei der Arbeit am Kochtopf (oben rechts),

im Paderborner Dom

Frank Sacco, "Hell", Akryl 2014

 

 

 

 

 

 

 

 Kinder-Albtraum Hölle

Frank Sacco, "Schuld", Akryl 2015

Kindergottesdienst (vorher- nachher)

"Mittäterin an Jesu Kreuzigung." Afrikanerin, 

         durch Mission                         missbraucht.

         Missionsversuch

sosorryrexarcfull

    Massenmord Sintflut

    Der Täter tröstet Rex

 

 

  Lieblingsbeschäftigung

 

übermüdeter Internist?

"Therapie", Sacco 2013

gewaltsame  Rache "Gottes" in Sodom

Ostseestrand, Sacco 2015