Ursachen von "endogener" Depression

     

 

 

                                                               Depression

 

Verbrennen ohne Feuer

Ertrinken ohne Wasser

Weinen ohne Tränen

Am Kreuz hängen

Und nicht sterben

Vögel, Blumen, Sonne

Und doch nur Qual

 

 

 

Die endogene Depression wird heute meist „depressive Episode“ genannt. Sie ist nicht als endogen zu bezeichnen, bevor nicht ein kausaler Therapieversuch gemacht wurde. Hier, bei der schlimmsten aller psychischen Erkrankungen,  ist eine EA-Therapie immer indiziert. Oftmals wird vom Patienten geäußert, Gott- bzw. Höllenangst käme überhaupt nicht als Ursache in Betracht. Trotzdem bzw. gerade deshalb ist es notwendig, den Erkrankten einfach etwas über die heutige Kirche zu erzählen und Kirche bei ihnen wieder zum Thema zu machen. Man lässt einfach auch für den Patienten offen, ob religiöse Probleme überhaupt für ihn relevant sind. Man weist darauf hin, dass Statements in der Art, man glaube nicht an die Hölle, vom Bewusstsein gesteuert werden und das Unterbewusstsein in der Regel uns nur in Ausnahmen zugänglich ist - zum Beispiel nach einer durchgemachten speziell religiös ausgerichteten Psychoanalyse. Gerade heftige Ablehnung der Vorstellung, Kirche könne am Geschehen schuld sein, spricht für einen Zusammenhang. Dann ist man meist auf der richtigen Spur. Die endogene Depression ist meist ein moderner Masochismus: Leid und Schmerz kann aus mehreren Gründen erwünscht sein: Diese Gefühle können Strafbedürfnisse und Schuldgefühle befriedigen wie es allzu oft bei Anorexie, Zwängen und „depressiven Episoden“ der Fall ist.

 

Zur Schuld möchte ich noch Grundsätzliches sagen. Im Brockhaus steht es so: „Schuld: Verantwortung für die Verletzung eines rechtlichen, moralischen oder religiösen Gebotes... Beurteilungs-Instanzen der Schuld sind das eigene Gewissen, die Verpflichtung gegenüber der Gruppe, in der man lebt, das kodifizierte Strafrecht und Gott.“ Über Schuldgefühle bei Patienten kann man demnach als Psychiater nicht qualifiziert reden, wenn man Gott und Religion schlicht ausklammert. Der Brockhaus weiß hier mehr als unsere Psychiatrie.

 

Ich denke so: Es gibt die Schuld A mit einem Schuldgefühl A. Schuld A ist das objektive einer Schuld und das resultierende Schuldgefühl A ist dementsprechend aufs Sachliche begrenzt. Schuld A kann bereinigt werden. Hat man als Beispiel eine Frau beleidigt, so entschuldigt man sich bei ihr und zahlt ihr eine Entschädigung. Punkt und Schluss.

Schuld B ist nun die religiös bedingte und kirchlich gewollte Überhöhung der Schuld ins Irrationale. Es resultiert und entsteht der Begriff der „Sünde“, der eine Erfindung der Geistlichkeit ist. Wird die oben genannte Beleidigung als Sünde am Tage des Jüngsten Gerichtes hart und vor allen Dingen ewig bestraft werden? Von einem unberechenbaren Gott mit einer völlig indiskutablem totalitären Rechtsauffassung? Schuldgefühl bei Depressiven ist meist der Kategorie B zuzuordnen und damit mehr Angstgefühl. Angst vor Strafe: B-Angst. Ein schönes Beispiel ist Evas Apfelklau. Bibelgott hätte es nicht ausgereicht, dass sich Eva bei ihm entschuldigte und ihm einen anderen Apfel zurückgab. Oder zwei.

 

Das so genannte „schlechte Gewissen“ plagt depressive Menschen ständig, unsere wirklich barbarischen Zeitgenossen dagegen kaum. Die sind „gewissenlos“. Auch hier muss zwischen A- und B-Gewissen unterschieden werden. Depressive haben ein enges „B - Gewissen“, es ist religiös überhöht: Sie fühlen sich sündig. Die Sünde wurde ihnen in der Hauptsache nicht von den Eltern, sondern kirchlich eingeredet: Sie sind als Kinder auf billige Kirchentricks hereingefallen. Die Kirchen, und das ist die Sünde der Kirchen, haben es verstanden, ihnen ein humanistisches Gottesbild und damit das wirkliche Evangelium vorzuenthalten. Holen wir das also ganz schnell nach.

 

Eine seltene Bestätigung meiner Auffassung von fachlicher Seite fand ich im Buch von Verena Burgbacher und Carola Eißler: „Schluss mit dem schlechten Gewissen“, Herder: „Theologisch betrachtet hat „Gewissen“ immer etwas mit der Vorstellung von „Gott“ zu tun“, so die Autorinnen. Eine Patientin berichtet im Büchlein, Gott sei ihr übermächtig vorgekommen und als einer, der „genau überwachen ... konnte...“ Wir alle stünden „mit jeder unser Handlungen in Gefahr, die göttliche Ordnung zu verletzen“ Daraus ergebe sich ein unerfülltes und unwertvolles Leben ohne die Option „auf einen Platz im Himmel“. Hier werden also wertvolle Leben durch Kirche zerstört. Da wir nach Kirchendoktrin alle ewig leben, nehmen die, die keinen Platz an der Sonne bekommen, auf ewig in der Hölle ihren Platz ein. So denken die meisten unserer Kinder! Unser Bibelgott kennt leider keine mäßig temperierten Zwischenstockwerke.

 

Zu allem Unglück scheinen sich Stress, Ängste und Depressionen auch negativ auf das ganze weitere Leben und sogar das Erbgut (DNS) auszuwirken. Wissenschaftler des Max-Planck-Institutes haben gezeigt, dass nachgeburtlicher Stress und Angst, hier Trennung von der Mutter, bei Mäusen einen Genabschnitt hemmt, der als Ausschalter des Vasopressin-Gens dient. Es kommt so zu einer lebenslangen Überproduktion des stressverstärkenden Botenstoffes Vasopressin. Die Regulierung der Gene ist somit wichtiger als die bloße Ausstattung damit. Stress lässt aber auch Methylgruppen an die Erbsubstanz andocken. So wird eine neue DNS - Struktur an die Tochterzellen weitergegeben und auf diesem Wege leider weitervererbt. Wenigstens bei Mäusen. So würde eine depressive Gesellschaft immer depressiver. Nun, sie wird immer depressiver. Heilpraktikern ist lange bekannt, dass essentieller Bluthochdruck auf emotionalen Dauerstress zurückzuführen ist. Vasopressin treibt im Prinzip den Blutdruck in die Höhe. Es hemmt die Wasserausscheidung und erhöht im Experiment den Blutdruck. Auch beim Menschen.

 

Ständige Angst vor Sünde führt Depressive in den Zwangszustand der „Nachahmung Christi“, die zu allem Übel von der Kirche noch verlangt wird. Es führt sie in eine perfektionistische Überforderung, die all ihre Kraft erfordern kann und sie überlastet. Depression und Zwangskrankheit sind nicht sauber zu trennen. Wir haben es hier mit Symptomen und nicht mit Definitivdiagnosen zu tun. Während Fritz Riemann in „Grundformen der Angst“ noch äußert, Glaube gebe dem Leben der Depressiven Sinn und trage sie, identifiziere ich den Glauben der Patienten als deren Krankheitsursache. Auf Seite 102 äußert Riemann dann zwar keine Kirchenkritik, so weit geht er nicht, aber er sieht Dinge immerhin kritisch: „In der Ethik“ nehme der Depressive „Gebote und Verbote zu wörtlich, fühlt sich dadurch überfordert und in seiner Schuldgefühlsbereitschaft bestärkt.“ Statt: „in der Ethik“, sage ich: „in der Kirche“. „Entsagung, Verzicht, Opfer und Askese“ würden den Depressiven charakterisieren. Das stimmt. Depression ist ein Symptom eines religiösen Masochismus, wie wir ihn von Ödipus und Prometheus kennen. Die Ursache derartiger Selbstüberforderung ist als Kind eingeredete Höllenangst, der Weg zu dieser Überforderung geht über das Schuldgefühl B. „Selig jene, die dulden“, meint Franz von Assisi dazu, ein Spezialist auf diesem Gebiet. Irgendeiner fügte ihm die fünf Jesuwunden regelmäßig bei. Er selbst?  Ich war es jedenfalls nicht.

 

Aber urteilen Sie selbst. Sehen wir uns nun einige Krankheitsbilder bei bekannten Persönlichkeiten mit Depressionen an. Es liegen dort ja biografische Berichte vor, die subtile Einzelheiten über diese Personen offen darlegen und eine posthume Analyse bzw. Psychoanalyse durchaus ermöglichen. Psychoanalyse ist im Grundsatz erst einmal schlichte Anamnese, also die Erhebung der Krankengeschichte. Man muss herausfinden, wo und wie der Betroffene missbraucht wurde.

 

 

 

 

Schuld B und B-Angst sind ekklesiogen konstruiert und daher durch Schuld A und A-Angst zu ersetzen

Die Hölle einer Depression
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Die "Straßenmission glaubensfroher Christen" macht unsere Kinder unfroh und krank: 

„Der Sünder, der nach seinem Tod im unauslöschlichen Flammenmeer der Hölle ewige Pein leidet, erntet genau das, was er gesät hat.“

Ein Sacco-Suizid. Häufig, aber unnötig wie ein Kropf.

 

In der Vorhölle, Akryl, 2002
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Kirchliche Lieblingsbeschäftigung
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Akryl auf Papier, 2003
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F. Sacco: "Kreuzesfolter muss nicht sein", Street Art  Bremen / Ein Gott kann auch ohne Kreuz vergeben. 

F. Sacco  Street Art, Bremen

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Kindergottesdienst (vorher- nachher)

"Mittäterin an Jesu Kreuzigung." Afrikanerin, 

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