Der kleine wahre Kern der Kastrationsangst

 

 

Eine Bezeichnung für Angst sollte bzw. muss schon einen kräftigen Bezug zum Gemeinten haben. Kastrationsangst hat ihn in seiner genitalen Ausrichtung hierzulande nicht. Auch auf die Begriffe Oral- und Analsadismus verzichten wir Internisten sehr gern. Man könnte das Gemeinte mit „AvE“ (Angst vor Eltern) schon genauer definieren, damit sie auch allen Ärzten zugänglich wird. „Elternangst“ könnte falsch auslegbar sein als Angst der Eltern, wie Gottangst theoretisch auch Angst eines Gottes bedeuten kann. Mit AvE ist der gemeinte Begriff ausreichend beschrieben. Analog ist Angst vor Gott mit AvG optimaler bezeichnet. Ich führe hiermit diese Abkürzungen in die Nomenklatur ein.

 

Dass der bibelerfundene Gott „zornig“ ist, wenn ein Kind onaniert, ist wahrscheinlicher, als dass der leibliche Vater zornig wird. Der, der letztlich bestraft, kastriert oder den Penis kürzt, ist also ein wutentbrannter, ebenso sexscheuer wie sexloser „Gott“ und nicht etwa der selbst sexuell aktive Vater. „Gott“ will letztlich die Beschneidung, die der Rabbiner nur ausführt bzw. ausführen muss. „Gott“ kastriert durch seinen Befehl zur Beschneidung. Diese wird an kleinen Kindern (bei Juden am achten Lebenstag) meist ohne Narkose und ohne lokale Betäubung durchgeführt und stellt ein erhebliches angeblich „Jahwe - befohlenes“ Trauma dar, an das eine Zeitlang erinnert wird. Die „Nachbehandlung“ dauert bis zu Wochen. Zahlreiche Todesfälle sind früher beschrieben, so durch eine Tuberkulose, beginnend am kleinen Penis, den der Rabbiner zum Auffangen des Blutes in den kranken Mund nahm. In der Tiermedizin sind diese Methoden längst verboten. Leo Rangell berichtet in „Gelassenheit und andere menschliche Möglichkeiten“, Suhrkamp, über eine Wiederbeschneidung an einem 12 Jahre alten Patienten, die dessen Mutter wegen Masturbation des Knaben durchführen ließ. „Roh und gewaltsam“ habe der Arzt diese vorgenommen. Dieses Trauma führte laut Rangell zu Kastrationsängsten, die bis ins Erwachsenenalter anhielten und eine Psychoanalyse notwendig machten. Hier, in diesem speziellen Fall, leuchtet der Begriff Kastrationsangst sogar mir ein.

Eine grausame Variante der Beschneidung existierte im vorderen Orient: Den Knaben wurde am Penis und Hoden die Haut abgezogen und die Wunde mit Salz und Sand eingerieben. Immer musste Gott als Befehlshaber für derartige Rituale herhalten und trug die volle Verantwortung, wenn Komplikationen auftraten. Das war praktisch, die Angelegenheit beweist aber, dass wir Menschen die verrückteste Tierart auf dieser Erde sind. „Unzumutbar“ findet der Kinderchirurg Dr. Maximilian Stehr von der Uniklinik München unnötige Beschneidungen in der heutigen Zeit. Im Säuglingsalter durchgeführt, haben 11 % der Kinder Komplikationen wie Nachblutungen, Entzündungen und Verletzungen der Harnröhre. Nachoperationen sind die Folge. In Juli 2011 vertrug ein Kind die Narkose nicht. Eine Narkose ist keine Spielerei. Es liegt „schwerstbehindert für den Rest seines Lebens“ auf der Intensivstation der Uni München (Quelle: Der Spiegel, 30/2012).

 

Die Beschneidung als Trauma war ein Grund dafür, den Erfinder der Psychoanalyse, S. Freud, so sexualitätsbezogen zu machen, wie man es seinen Theorien über die Analyse entnehmen kann. Sie sind auf Nichtbeschnittene nicht übertragbar. Es muss für jüdische Kinder furchtbar sein, der Beschneidung ihrer Brüder beiwohnen zu müssen. Sie nehmen es als Gewaltakt ihres Gottes wahr. „Hände weg von der Vorhaut“, möchten wir Jahwe da zurufen. Für mich wäre das kein Fest. Verrückt erscheinendes und Brutales ist aber nie wirkliche Religion und in der Regel besser auszuhalten, wenn man es kirchlicherseits als religiöses Freudenfest deklariert. Mit „Gott“ zieht man sogar heute noch gern und singend in brutalste Kriege. Sexualisiert hat Freud auch folgender Umstand: Junge hübsche Frauen sollten in seinem Sprechzimmer auf einmal ganz offen und wie im Bett liegend über ihre Sexualpraktiken, -träume und -phantasien sprechen und taten dies ebenso fleißig, wie zur Sommerzeit nur leicht bekleidet. Die Therapeuten saßen oft hinter dem Kopfende. So war eine eventuelle Erregung (Therapeuten sind auch nur Menschen) nicht zu bemerken. Prompt verliebte sich Freud in eine Patientin.

 

Er schreibt 1938: „Letzter Grund aller intellektuellen- und Arbeitshemmungen scheint die Hemmung der kindlichen Onanie zu sein. Aber vielleicht geht es tiefer...“. An diesem Punkt kann man durchaus die Höllenangst als tiefsten Grund anführen. Sie ist die eigentliche rabiate Strafe „Gottes“ bei nicht bereuter oder gebeichteter Onanie, die die katholische Kirche erst 1975 erneut zu einer Freifahrt zur ewigen Hölle deklarierte. Freud hatte tatsächlich eine Ahnung vom Sacco-Syndrom: Ihm fällt letztlich auf, dass „das Über-Ich häufig eine Strenge entfaltet, zu der die realen Eltern nicht das Vorbild gegeben haben“, und ihn befällt eine „Ahnung“, die ich hiermit die „Freudsche Ahnung“ nenne. Der moralische Sinn sei dem Menschen nicht anerzogen, sondern sei „ihm von einer höheren Stelle eingepflanzt worden ...“ Hier outet sich der „Atheist“ als Gläubiger. Heute spricht man von Freud sogar als einem „Religionsstifter“. Ödipus sei ja eigentlich „schuldfrei“, fühle sich aber schuldig und begehe darum eine Selbstbestrafung. So landet Freud mit seinem Ödipus also doch noch in der gedanklichen Kloake von Sünde, Rachegott, Höllenangst, Okkultismus und ekklesiogenem Masochismus. Nicht Angst vor Kastration, nein, Schuldgefühl führe zum Masochismus, so der gläubige Freud. Ödipus „kastriert“ bzw. straft sich zwecks Höllenvermeidung selbst, statt froh zu sein, so nette und vor allem fruchtbare Stunden mit seiner sicher attraktiven Mutter im Bett verbracht zu haben. Stattdessen brennt er sich die Augen aus, damit die befürchtete Gottesstrafe milder ausfalle. Das Strafmaß dieses Opfers setzt Ödipus für sich relativ hoch an, glaubt er doch, er habe gleich zweimal schwer „gesündigt“. Weil die Augen sehr empfindliche Organe sind und sich nicht regenerieren können, wählt er sie aus. Je größer die empfundene oder eingebildete Schuld, je größer die Selbstbestrafung. Auch der Koran kennt übrigens die Augenempfindlichkeit: Ungläubige kommen mit den „Augen zuerst“ ins ewige Feuer. Erst dann kommt der Rücken auf den ewigen Grill (siehe Sure 4, „Die Weiber“).

 

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   Erschienen bei BoD,

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Die "Straßenmission glaubensfroher Christen" macht unsere Kinder unfroh und krank: 

„Der Sünder, der nach seinem Tod im unauslöschlichen Flammenmeer der Hölle ewige Pein leidet, erntet genau das, was er gesät hat.“

Ein Sacco-Suizid. Häufig, aber unnötig wie ein Kropf.

 

In der Vorhölle, Akryl, 2002
In der Vorhölle, Akryl, 2002
Kirchliche Lieblingsbeschäftigung
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Akryl auf Papier, 2003
Akryl auf Papier, 2003

F. Sacco: "Kreuzesfolter muss nicht sein", Street Art  Bremen / Ein Gott kann auch ohne Kreuz vergeben. 

F. Sacco  Street Art, Bremen

"Kirche und Kind"

Ungleiche Machtverhältnisse

F. Sacco  Installation

F. Sacco "Junge Autistin"

Street art, Bremen

"Therapie" bei der Angsterkrankung Autismus

F. Sacco: Fegefeuer

Doch was sagte er wirklich?

"Jesus" bei der Arbeit am Kochtopf (oben rechts),

im Paderborner Dom

Frank Sacco, "Hell", Akryl 2014

 

 

 

 

 

 

 

 Kinder-Albtraum Hölle

Frank Sacco, "Schuld", Akryl 2015

Kindergottesdienst (vorher- nachher)

"Mittäterin an Jesu Kreuzigung." Afrikanerin, 

         durch Mission                         missbraucht.

         Missionsversuch

sosorryrexarcfull

    Massenmord Sintflut

    Der Täter tröstet Rex

 

 

  Lieblingsbeschäftigung

 

übermüdeter Internist?

"Therapie", Sacco 2013

gewaltsame  Rache "Gottes" in Sodom

Ostseestrand, Sacco 2015