Rezension „Wenn Glaube krank macht“ von Diana Schultz

 

 

  

Vorwort Müller: Frank Sacco, Doktor der Medizin, betätigt sich wieder als Rezensent. Zumal er auch Buchautor ist und ein Buch mit demselben Titel geschrieben hat (siehe auch den Artikel dazu: Leserbrief aus der Hölle).

Das Thema „Wenn Glaube krank macht“ dürfte langsam ins Bewusstsein der Allgemeinheit vordringen. Interessant ist die unterschiedliche Perspektive: Die Autorin Diana Schultz stellt den Kinds-Missbrauch aus der glaubensinneren Perspektive fest, während Frank Sacco sie aus der religionsbefreiten Haltung des Humanisten beschreibt.

Rezension des Buches „Wenn Glaube krank macht“

 

Interessant und naheliegend ist für mich natürlich diese Buchlektüre und ihre Einordnung, da ich ein Buch gleichen Titels 2015 bei BoD, verfasste (s.u.). Der Untertitel der Autorin lautet: „Geistlicher Missbrauch in Gottes Kirchen“, was bedeutet, dass sie an die Existenz eines Kirchen-Gottes glaubt. Im Klappentext wir darauf hingewiesen, dass „dieses heikle Thema kaum angesprochen“ wird. Kirchenkritik gilt heute leider bereits als Gottkritik.

 

Die Autorin weist in der Einleitung auf die Grundlagen des geistlichen Missbrauchs hin: Ein durch „Irrgauben geprägtes Machtsystem“, „missbräuchliches Leiterverhalten“ und „Vermittlung eines falschen Gottesbildes“ würden über „Täter“ tiefe Nöte bewirken, ja nach Ronald M. Enroth sogar zu Katastrophen führen. Die Machtansprüche von Geistlichen und Leitern  werden ausführlich und sachlich besprochen, so z. B. das Tabu in Gemeinden, einem Predigttext zu widersprechen oder Bedrohungen gegenüber „ungefestigten Persönlichkeiten“ auszusprechen, wie „aus der Gnade Gottes“ zu fallen oder „verdammt“ zu sein (Seite 69). Das Bedürfnis eines Kindes nach „Sicherheit, Geborgenheit und Nähe“ sei nach John Bowlby grundlegend. Kirkpatrick wird zitiert: Gott sei absolut zuverlässig und könne einem Kind  eine „ideale Bindungsfigur werden“. Ich bezweifele das. Schultz schreibt, Gott sei die Liebe, „wie es die Bibel berichtet“. Sie meint, es sei in richtiger Interpretation der „Wahrheit Gottes nach biblischem Verständnis“ falsch, ihn „strafend“ oder  „pedantisch“ zu predigen. Die Hölle kommt im gesamten Text nicht vor. Sie ist aber unerschüttertes Dogma beider deutscher Amtskirchen.

 

So richtig und wertvoll die von der Autorin angestrebte Korrektur von Fehlverhalten in Gemeinden ist, so wird doch deutlich, dass hier von der Annahme ausgegangen wird, die Bibel entspreche einer Wahrheit Gottes und sei nicht ein politisches Werk früherer „Leiter“ von Gemeinden. Auch schreibt hier eine erwachsene Gläubige, die ihre eigenen negativen Eindrücke während ihrer Kindheit über den Gott der Bibel komplett verdrängt hat. Unser uns im Unbewussten regierender Glaube ist nach Ratzinger meist unser erster Kindheitsglaube.

Diese Verdrängung ist symptomatisch für heutige Kirchgänger und überhaupt die postmoderne, und damit nicht mehr moderne Gesellschaft. Kein Kind findet „Sicherheit, Geborgenheit und Nähe“ in einem Gott, der mit der Sintflut den ersten Holocaust an Juden beging. Kein Kind versteht die Rache dieses Gottes, die Städte Sodom und Gomorra mit einer Feuerwalze auch für Kinder und Tiere zu belegen.  Jedes Kind findet einen Gott pedantisch und ungerecht, der beim Stehlen eines Apfels (!) Amok läuft und allen Frauen „nach Eva“ schwere Geburtsschmerzen auferlegt. Kein Kind versteht die Herzlosigkeit „Gottes“, auf der grausamen Opferung seines Kindes Jesus zu bestehen, statt Sünden einfach anders zu vergeben. Jedes Kind entwickelt Panik vor einer Hölle, in der Sünder nach einem Jüngsten Gericht auf ewig zu Feuerstrafen (siehe Bergpredigt) verdammt seien. Jedes Kind muss auf göttliche Vergebung dieses Ungottes hoffen, dessen Spezialgebiet rabiater und dauernder Liebesentzug bei vermeintlichem Fehlverhalten ist. Schlimmer als Hitler sei dieser Gott mit seinen Feuerstrafen. Das droht unseren Kindern der renommierte Kirchen-Autor Hans-Werner Deppe im Buch „Wie wird es in der Hölle sein?“, betanien, Partner Erzbistum Paderborn. Natürlich gibt es diesen Gott nicht und auch nicht seinen Sohn Jesus, den Richter zur Hölle und den Planer des Holocausts Apokalypse (siehe Lukas 17).  Angst vor „jenseitigen Strafen“ zu machen, ist aber, so Bischof Nikolaus Schneider, ein „Geschäft“ der Kirchen (Spiegelinterview (43/2014). Hier geht es demnach um Geld. Für so ein Geschäft darf es nur „null Toleranz“ geben, denn es ist ein terroristisches Verbrechen. Wer es  betreibt, ist ein Verbrecher. Die Bibel disqualifiziert sich mit ihrem Gottesbild selbst und identifiziert sich als das  intelligente Werk politisch denkender, gewissenloser Täter-Menschen.

 

Fazit: Nicht solitär die Strukturen heutiger Gemeinden produzieren kirchenbedingte Erkrankungen. Diese Strukturen fußen auf einem sehr unheiligen Buch, das jedes mit ihm konfrontierte Kind in große Angst versetzt und damit krank macht. Die Autorin hat mit zahllosen anderen einen persönlichen Weg gefunden, innerhalb des Christentums „gesund“ zu werden: Sie verdrängt das sich auf die Bibel gründende Gottesbild ihrer Religion. Man hat den Eindruck, sie habe das Buch nicht gelesen. Doch auch jeder Verdränger ist krank. Deppe sei nicht der Kindesmisshandlung schuldig, so die zuständige Staatsanwaltschaft Detmold. Er spricht ja in der Tat nur die Essenz der Bibel aus. Tatsächlich ist ja der Gott, den sie vermittelt,  „schlimmer als Hitler“. So straft er „von Ewigkeit zu Ewigkeit“. So befielt er uns – als Beispiel – die Tötung Homosexueller. Die Bibel ist daher das „gefährlichste Buch“ dieser Erde (Goethe zu Falk). Und ist eine Gesellschaft nicht auch krank, die das nicht erkennen will und verdrängen muss? Ist es nicht Pflicht, jede Hitlerfigur als solche zu identifizieren und sie nicht als „Liebe“ schönzureden? Hat eine Gesellschaft nicht die Aufgabe, ihre Kinder, denen jede Verdrängung und Symbolik zunächst nicht möglich ist, vor solchen Figuren, vor solchen Strukturen, vor solchen „Göttern“  zu schützen?

 

Wer die Negativseiten dieses  „Gottes“ der Bibel nicht komplett verdrängen kann, der wird in der Regel auch phänotypisch krank. Es resultieren als Angstkrankheiten Neurosen, Psychosen, Autismus, Süchte, ADS und Suizide, wobei die Psychiatrie, die immer nur ein Spiegel ihrer Gesellschaft ist, recht hilflos und selbst krank lediglich am Symptom bastelt, statt die wirkliche Ursache, die Gottangst anzugehen. Ja sie ist daher gezwungen, Symptome wie Depression, Aufmerksamkeitsdefizit, Manie, Panikstörung etc. zu Diagnosen zu machen. Sie ist gezwungen, als sprechende Medizin in Religionsdingen zu schweigen. Sie schweigt zu der nach Karl Jaspers größten Angst des Menschen. Und sie schweigt leider auch zu meiner Kritik. Man will keine Diskussion.

 

Die Autorin wendet sich abschließend der Therapie von Glaubenserkrankungen zu, wobei auch die „Täter“ sehr richtig als oftmals selbst krank und selbst Opfer beschrieben werden. Zu einer grundlegenden Religionskritik gelangt die Autorin nicht. Gott sei, und das würde aus der Bibel hervorgehen,  die Liebe.  Dann müsste allerdings dieser Gott in Therapie. Wenn ein liebender Gott die Leiden der Menschen sehen würde, würde es ihm „das Herz zerreißen“, so Schopenhauer. Liebe setzt halt auch ein Mitfühlen voraus und auch ein Helfen in der Not, soweit man das als Allmächtiger kann.

Der Weg zur Heilung der Insassen unserer Psychiatrien ist noch weit. Er setzt die Etablierung eines neuen Gottesbildes voraus, das auch in unserem Unbewussten eine bedingungslose Liebe ist, eine Liebe, die nur im Menschen und nicht irgendwo außerhalb zu suchen und zu finden sein wird.  Er setzt  eine vernunftgesteuerte Einordnung aller bisher als heilig deklarierten Bücher voraus. Mit der EAT, der ekklesio-adversativen Therapie, ist ein erster Schritt zu einer solchen Heilung getan und mit der „Religion nach Auschwitz“ ein erster Schritt zu einer neuen „Religion“ im Sinn einer „Bindung“ des Menschen an wirkliche Werte und eine Abkehr von Gewalt. Jeder „Gottesdienst“ kann nur als Dienst am Menschen verstanden werden. Der Himmel über uns ist leer. Auch und gerade damit kann man leben,  als Gesunder – und speziell auch als von der Religion krank Gemachter.

 

Wenn Glaube krank macht, Diplomica-Verlag, Hamburg 2016, Autorin  Diana Schultz, 96 Seiten, ca. 30 €

 

Gleichnamig: Wenn Glaube krank macht: Das Sacco Syndrom, BoD 2015, Autor Frank Sacco

 

 

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   Erschienen bei BoD,

   ca. 404 Seiten   €12.99

     Erschienen bei BoD

      € 7.99

Im Buchhandel und als

E-Book erschienen

Ladenpreis 10,99€

 

 

 

   Erschienen im Buchhandel (bei BoD) und als E-Book

Ladenpreis 8,99 €

Erschienen in englischer Sprache bei BoD, 5,99 €

 

 

Die "Straßenmission glaubensfroher Christen" macht unsere Kinder unfroh und krank: 

„Der Sünder, der nach seinem Tod im unauslöschlichen Flammenmeer der Hölle ewige Pein leidet, erntet genau das, was er gesät hat.“

Ein Sacco-Suizid. Häufig, aber unnötig wie ein Kropf.

 

In der Vorhölle, Akryl, 2002
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Kirchliche Lieblingsbeschäftigung
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Akryl auf Papier, 2003
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F. Sacco: "Kreuzesfolter muss nicht sein", Street Art  Bremen / Ein Gott kann auch ohne Kreuz vergeben. 

F. Sacco  Street Art, Bremen

"Kirche und Kind"

Ungleiche Machtverhältnisse

F. Sacco  Installation

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"Therapie" bei der Angsterkrankung Autismus

F. Sacco: Fegefeuer

Doch was sagte er wirklich?

"Jesus" bei der Arbeit am Kochtopf (oben rechts),

im Paderborner Dom

Frank Sacco, "Hell", Akryl 2014

 

 

 

 

 

 

 

 Kinder-Albtraum Hölle

Frank Sacco, "Schuld", Akryl 2015

Kindergottesdienst (vorher- nachher)

"Mittäterin an Jesu Kreuzigung." Afrikanerin, 

         durch Mission                         missbraucht.

         Missionsversuch

sosorryrexarcfull

    Massenmord Sintflut

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übermüdeter Internist?

"Therapie", Sacco 2013

gewaltsame  Rache "Gottes" in Sodom

Ostseestrand, Sacco 2015