Folter 

 

von Frank Sacco

 

 

Vorwort Müller: Mit diesem Artikel packt Frank Sacco, Doktor der Medizin, ein brandheißes Eisen an, sozusagen ein Foltereisen. Ein Zitat: Man kann das Phänomen Angst vor Folter  geschäftsmäßig einsetzen, wie es z. B. die Amtskirchen tun.Noch eins: Den Widerspruch, dass jede ernstgemeinte (…) Folterandrohung bereits Folter ist,  sehr krank macht, und daher strafbar ist, eine solche der Amtskirchen aber harmlos sein soll, kann kein Psychiater auflösen. Sacco sagt denn auch, bei Humanisten gilt: Keinerlei Toleranz folternden Systemen gegenüber (2.2.17, Bilder: Sacco)

 

 

Folter       

 

von Frank Sacco 

  

Mensch und Tier haben Nerven. Und die lassen sich unbeschränkt reizen. Es gibt seelische und körperliche Schmerzreize. Sie dienen ursprünglich dem Schutz des Individuums vor gröberen Verletzungen. Der Nachteil ist bekannt: Es gibt die Möglichkeit der „übergroßen“ Reizung der Fasern mit der Folge einer sehr unangenehmen  Reizüberflutung. Dann sprechen wir von Folter.

In der Natur gibt es Zustände von Folter. Wird ein Wal angeschwemmt, ahnen wir von seiner Qual. Man versucht daher, ihn mit erheblichen Mitteln freizubekommen. Ins offene Gewässer. Krankheitserreger bzw. Krebsviren können Menschen über Schmerzen oder Luftnot in eine Folter zwingen. Das geschieht unbeabsichtigt. Da kann die Medizin helfen. Der Mensch erst erfand die Absicht bei der Folter. Der US-Präsident sagt: Folter sei wirksam. Klar ist sie das. Ja er hält sie für ein probates Mittel. Damit ist er bereits kurz nach der Machtergreifung disqualifiziert. Bei Humanisten gilt: Keinerlei Toleranz folternden Systemen gegenüber.

Dass Folter, als Angst vor ihr, unser Leben beherrscht, ist uns nicht bewusst. Doch ist diese Angst als Panik stets griffbereit und unter einer sehr dünnen Decke einer Beherrscht- und Gelassenheit verborgen. Beispiel: ein drohender Flugzeugabsturz. Die größte Angst des Menschen, und das ist Psychiatern unbekannt, ist die vor Folter. Auch der Nervenarzt der Niedersächsischen Ärztekammer wusste es am 17. 11. 2009 nicht. Warum nicht? Diese kollektive Angst muss tief verdrängt werden, damit es uns im Alltag nicht sehr unwohl wird. Wir müssen arbeits- und denkfähig bleiben. Das „gesunde“ Kollektiv psychotherapiert diese Angst durch eine ständige Konfrontation mit ihr. Das erscheint paradox. Dass das so funktioniert, lehrte schon Goethe. Eine Hexenverbrennung war ein Volksfest. Kein Fernsehabend heute ohne ausgiebig gezeigte Folter. Doch nicht alle Menschen „beruhigt“ das vorüberziehende Grausen: Depressive können diese Sendungen nicht ansehen. „Beruhigte“ Kafkas „In der Strafkolonie“ die Nerven des subdepressiven Autors? Das mechanisch-werkzeugmäßige des dortigen Folterapparates nahm hellsichtig Auschwitz vorweg. Nahm gar den Tätern von Auschwitz das Ausleben eines Sadismus deren unbewusste Ängste? Beruhigt Horror die nachtgewohnten Norweger? Sie könne über Horror wunderbar lachen, so die Theaterregisseurin Lisa Lie. Der Einfallsreichtum von Folter fasziniert sie: „Beim mittelalterlichen Karneval warf man Körbe mit Katzen darin auf den Scheiterhaufen wegen des lustigen Geräusches“, so in der Die Welt vom 1. Febr. 2017. Doch nicht alle Menschen „beruhigt“ das vorüberziehende Grausen: Aktuell Depressive können diese Sendungen nicht ansehen. Die die Psyche schützende dünne Decke fehlt ihnen. Würden Wale sich im Meer riesige Fernseher aufstellen und sich allabendlich ansehen, wie andere Wale zerstückelt werden, wir würden sie für verrückt erklären. Der Mensch ist in diesem Sinn verrückt. Er weiß zu viel um die Angelegenheit Folter.

Die größte Angst des Menschen macht ihn lenkbar. Selbst sehr reiche Menschen fürchten oft, ärmere könnten ihnen etwas wegnehmen. Analytisch  fürchten sie (in einem Wahn), zu verhungern.  Man kann das Phänomen Angst vor Folter  geschäftsmäßig einsetzen, wie es z. B. die Amtskirchen tun. Der Paderborner Erzbischof Becker zitiert vorsichtshalber schon 2-jährige in seinen Dom zum Hauptgottesdienst. Sie sollen dort  den Altar mit einem Jesus am Kochtopf anschauen. Bischof N. Schneider, EKD, erklärt, die Androhung jenseitiger Strafen sei ein  „Geschäft“ der Kirchen (Spiegelinterview 43/2014). Gewisse Sünder kämen in das „ewige Feuer“ Jesu, so erläutert es der Geschäftsmann Schneider folgerichtig unseren Kindern im Buch „Von Erdenherzen und Himmelsschätzen.

Und wieder versagt unsere Psychiatrie. Auf einem internationalen Kongress wurde der Vortragende Prof. Diefenbacher, Berlin, nach den Auswirkungen derartiger Androhung gefragt. Die schriftliche Antwort: gravierende Störungen könne das bei Kindern nicht auslösen. Dem steht der Skandal ADS in Würzburg entgegen. Den Widerspruch, dass jede ernstgemeinte (und verstandene) Folterandrohung bereits Folter ist,  sehr krank macht, und daher strafbar ist, eine solche der Amtskirchen aber harmlos sein soll, kann kein Psychiater auflösen. Der Kirchenmann Georg Scharf erläutert das Schneider´sche Geschäftsmodell so: Gerade Kindern müsse man darlegen, dass Sünder in der ewigen Hölle "furchtbar leiden werden". Denn die Psyche des Kindes sei "mehr auf den Glauben als auf das Durchschauen angelegt". Die Rechtsmedizin des UKE Hamburg allerdings hält die Androhung von Feueranwendung für „nicht akzeptabel“. Folterandrohung steht natürlich dem Grundgesetz (Würde) und § 241 StGB, Bedrohung,  entgegen. Wer mit Hölle droht, ist ein Verbrecher, denn der, der angeblich in einer Hölle Sündern tüchtig aufheizt, ist wissenschaftlich und damit juristisch definitiv tot. Ein Auferstehungsglaube hat in den Amtszimmern der BRD nichts verloren.

Die Bevölkerung ist ein Spiegelbild der jeweiligen Psychiatrie. Auch das Kollektiv verdrängt die Hölle und die dortigen Strafen. Man ist pikiert, wenn jemand das Thema auch nur anspricht. Ja man stuft den Aufklärer als paranoid ein, ist aber selbst in dem Wahn befangen, die Sache könne harmlos sein. Allerhöchsten Kinder würden an derartige Strafen und dann auch nur vereinzelt glauben. Doch der Widerstand gegen eine Analyse der Situation und die enorme, fast lückenlose Bereitschaft, die beschriebene Kriminalität der Amtskirchen unter den Teppich zu kehren, entlarven die wirkliche Konstellation. Jeden anderen, der Kindern offen Folter androht, würde man anzeigen. Bei den Amtskirchen überlässt man diese Vorgehensweise einem Internisten. Zu groß sind eigene verdrängte Ängste und die Furcht, es könne doch etwas dran sein an der Ewigkeit, am Kochtopf eines ewig folternden Jesus. Mit potentiell folternden Systemen stellt man sich besser gut. Dies ist mit ein Grund, sie nicht erst entstehen zu lassen, den Anfängen zu wehren. Denken wir an die Zeit unter Hitler. Steckte im Jubel um seine Person im Hintergrund auch Angst, Angst vor der Gestapo? Besser man „liebt“ einen Despoten und schwenkt ein Fähnchen, als sich mit ihm anzulegen. Das ist die Grundlage des Stockholm–Syndroms. Doch es gibt auch etliche, und die werden immer zahlreicher, die das Tun der Amtskirchen ungeschminkt sehen und als Straftat einordnen. 

 

 

5 Antworten auf Folter von Frank Sacco

1. Saco sagt:

7. Februar 2017 um 09:30

Das passte ja gestern: Im ZDF lief um 20.15 „Neben der Spur“ als Folterfilm. Der Verbrecher nagelte die Mutter in einen Sarg und folterte die Tochter. Je weniger die Mutter im Sarg atmen würde, umso geringer werde seine Folter der Tochter ausfallen, so der Mann. In allerletzter Sekunde kam Rettung für alle.

Während meine 40-jährige Lebensabschnittsgefährtin Ute die Sendung sehen wollte, verlangte ich eine Umschaltung zu Jauch. Je tiefer Angst verdrängt ist, umso leichter fällt die Perzeption von Folterszenen und umgekehrt. Das stellt die bisherige Auffassung, Jugendliche würden durch Folterspiele an der Konsole radikalisiert, auf den Kopf. Sie werden im Gegenteil durch Folterandrohung ängstlich gemacht und therapieren so ihre verdrängten Ängste. Wer ihnen ernsthaft Angst vor ewiger Folter macht, steht im obigen Artikel.

2. Wilfried Müller sagt:

7. Februar 2017 um 10:55

Es ist natürlich fies, die arme Ute mit der Jauch-Folter zu bedrohen. Ich hoffe, sie hat der Folterandrohung nicht nachgegeben …

3. Saco sagt:

8. Februar 2017 um 09:34

Arme Ute? Sie läßt sich gern von Günther foltern. Mehrmals die Woche. Ich foltere derweil meine Tastatur. 

4. Saco sagt:

10. Februar 2017 um 18:17

vorgestern lief  Kill Bill, Vol. 2  

Die Braut trug Schwert "Pulp und Sühne".

In "Kill Bill, Vol.2" serviert Uma Thurmann ihre Rache. Quentin Tarantino zeigt erneut, was er kann: Präzise inszenieren, optisch brillieren und entspannt zitieren", so die Frankfurter. Uma schneidet ca. 90 Minuten vorwiegend Männern die Extremitäten ab mit einem besonderen Schwert. Fontänen von Blut. Da ichs ansehen konnte, hab ich auch ne Macke. 

5. Wilfried Müller sagt:

11. Februar 2017 um 07:31

Aktuell wird Frank sacco nach seinem eigenen Empfinden bei der Initiative Humanismus "gesteinigt". Unter Bezug auf Homosexualität, Ursachen hat er mit dem folgenden Skript einige Kommentare hervorgerufen:

 

Therapie bei Homosexualität Frank Sacco

Wenn ich schon wegen dieses Skripts gesteinigt werden soll, dann bitte gleich (und abweichend vom Gewohnten) mit großen Steinen anfangen. Dann geht’s schneller……………………………………………………………………… Immerhin nehmen nichthomosexuelle Therapeuten den Therapieauftrag ernst, bei bestehendem dringendem Patientenwunsch aus einer „unechten“ Homo- eine Bisexualität zu machen. Eine komplette „Konversion“ wird es wohl nicht geben – und sie ist auch nicht irgendwie Ziel. Die heute führenden Psychiater auf dem Gebiet sind allerdings in aller Regel homosexuell, befangen und unaufrichtig bis hin zur Lüge.

Kirchlich vermittelte Gebote (und konsekutive Höllenstrafen) sollen lediglich den Kontakt des heranwachsenden Jungen zu den Mädchen erschweren bzw. unterdrücken. Keinesfalls war damit von Erziehungsseite beabsichtigt, Jungen in die weit schlimmere „Sünde“ der Homosexualität hineinzutreiben. Doch genau das tritt ein. Nach dem Verbot aller heterosexuellen Kontakte drängt die gesamte psychische Energie natürlich genau in die Richtung, die den Eltern wie der Kirche von vorneherein als so monströs erscheinen musste, dass man einfach vergessen hatte, sie zu verbieten. Recht häufig wird deshalb auch im späteren Erleben von Homosexuellen die Jugendliebe, die Pädophilie als Ersatzsexualität fixiert.

Man kann als Psychotherapeut nur immer wieder froh sein, dass und wenn es Frauen gibt, die als Verheiratete das rechte Maß an Sehnsucht und Erfahrung mitbringen, um z. B. einen homosexuellen Priester bei der Hand zu nehmen, und ihm Schritt für Schritt die Angst vor der Liebe, die Angst vor der Frau und die Angst vor sich selber zu nehmen. Gewiss, im Sinne der kirchlichen Moraltheologie geschieht hier Ehebruch und Zölibatsverletzung, und doch sind solche Begegnungen im Niemandsland der Liebe von einer oft poetischen Sensibilität und Zärtlichkeit, schwebend und leicht wie der Duft erblühender Rosen in einem Frühlingsgarten. Dasselbe gilt spiegelbildlich auch für die Ordensschwestern, die mit homosexuellen Schwierigkeiten und dem Wunsch nach Heterosexualität in die Behandlung kommen. FNED

 

Nachtrag von Sacco 11.2.:

Bei dem Artikel ist ein Trick: FNED bedeutet: Frei nach Eugen Drewermann. Ab "Kirchlich vermittelte Gebote" ist es Eugen Drewermann, der da schreibt in Kleriker, Seite 600. Bei Frank Berghaus  (iH) habe ich das eben schon klargestellt.

Drewermann und ich sind aus einem Holz. Er hat mir geschrieben. Er "denke wie ich". Er wird mir die Angelegenheit  nicht übelnehmen, dient sie doch einer guten Sache. Auch habe ich  ja gleich die Dinge klargestellt. Und Reklame für ihn gemacht. Er schreibt, die kathol. Kirchen habe -zig Menschen in den "Wahnsinn" getrieben.

 

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   Erschienen bei BoD,

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     Erschienen bei BoD

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Die "Straßenmission glaubensfroher Christen" macht unsere Kinder unfroh und krank: 

„Der Sünder, der nach seinem Tod im unauslöschlichen Flammenmeer der Hölle ewige Pein leidet, erntet genau das, was er gesät hat.“

Ein Sacco-Suizid. Häufig, aber unnötig wie ein Kropf.

 

In der Vorhölle, Akryl, 2002
In der Vorhölle, Akryl, 2002
Kirchliche Lieblingsbeschäftigung
Kirchliche Lieblingsbeschäftigung
Akryl auf Papier, 2003
Akryl auf Papier, 2003

F. Sacco: "Kreuzesfolter muss nicht sein", Street Art  Bremen / Ein Gott kann auch ohne Kreuz vergeben. 

F. Sacco  Street Art, Bremen

"Kirche und Kind"

Ungleiche Machtverhältnisse

F. Sacco  Installation

F. Sacco "Junge Autistin"

Street art, Bremen

"Therapie" bei der Angsterkrankung Autismus

F. Sacco: Fegefeuer

Doch was sagte er wirklich?

"Jesus" bei der Arbeit am Kochtopf (oben rechts),

im Paderborner Dom

Frank Sacco, "Hell", Akryl 2014

 

 

 

 

 

 

 

 Kinder-Albtraum Hölle

Frank Sacco, "Schuld", Akryl 2015

Kindergottesdienst (vorher- nachher)

"Mittäterin an Jesu Kreuzigung." Afrikanerin, 

         durch Mission                         missbraucht.

         Missionsversuch

sosorryrexarcfull

    Massenmord Sintflut

    Der Täter tröstet Rex

 

 

  Lieblingsbeschäftigung

 

übermüdeter Internist?

"Therapie", Sacco 2013

gewaltsame  Rache "Gottes" in Sodom

Ostseestrand, Sacco 2015